Leder gehört zu den wichtigsten Materialien in der Sattlerei, der Täschnerei, bei Feinlederwaren, Schuhen, Bekleidung und Polstermöbeln. In diesem Ratgeber zu Lederarten erfahren Sie, wie Leder hergestellt wird, von welchen Tieren es stammt, welche Teile und Schichten es gibt und wie es gegerbt, gefärbt und an der Oberfläche behandelt wird. Danach wissen Sie, was Bezeichnungen wie Narbenleder, Spaltleder, Croupon, Full Grain, pflanzlich gegerbt oder Nappa bedeuten, und finden das passende Leder für Halsband, Gürtel oder Tasche.
Kurz gesagt:
Full Grain = natürlicher, nicht korrigierter Narben.
Top Grain = erhaltener, aber bearbeiteter Narben.
Split Leather = Spaltleder ohne natürlichen Narben.
Bonded Leather = Material aus Lederfasern oder Lederresten, die mit Bindemittel verbunden sind.
So verstehen Sie Lederbezeichnungen
Bei ein und demselben Leder können mehrere Bezeichnungen zugleich zutreffen. Jede beschreibt etwas anderes:
- den Rohstoff – von welchem Tier das Leder stammt,
- den Teil der Haut – Croupon, Hals oder Flanke,
- die Schicht – Narbenleder oder Spaltleder, auf Englisch Full Grain, Top Grain oder Split,
- die Gerbart – zum Beispiel pflanzlich gegerbt oder chromgegerbt,
- die mechanische Bearbeitung – gewalkt oder ungewalkt,
- Färbung und Deckung der Oberfläche – naturbelassen, Anilin, Semianilin oder pigmentiert,
- die Oberflächenbehandlung – zum Beispiel glatt, geschliffen, geprägt oder lackiert.
Ein Leder kann also zum Beispiel zugleich chromgegerbt, vollnarbig und zu Nubuk geschliffen sein. Die einzelnen Bezeichnungen schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.
| Beispiel einer Bezeichnung | Was sie bedeutet | Wo Sie ihr begegnen |
|---|---|---|
| Pflanzlich gegerbt, Narbenleder, ungewalkt | Mit pflanzlichen Gerbstoffen gegerbt, mit erhaltenem Narben, nicht durch Walken weich gemacht | Festes Narbenleder für Gürtel, Taschen, Sattlerarbeiten oder zum Punzieren |
| Pflanzlich gegerbt, Spaltleder, ungewalkt | Untere Schicht eines pflanzlich gegerbten Leders ohne natürlichen Narben | Günstigeres Material für weniger beanspruchte, Hilfs- oder verdeckte Teile |
| Chromgegerbt, Narbenleder, gewalkt | Chromgegerbtes Leder mit erhaltenem Narben, im Fass mechanisch weich gemacht | Weiches, geschmeidiges Leder für Feinlederwaren, Schuhe, Bekleidung oder Polster |
| Narbenleder, korrigiert, geprägt | Der Narben wurde teilweise bearbeitet und danach mit einem Prägemuster versehen | Leder mit einheitlichem Narbenbild oder Imitation einer anderen Oberfläche |
| Spaltleder, oberflächenbehandelt | Spaltleder mit Spritzauftrag, Beschichtung oder Prägemuster | Material, das optisch an Narbenleder erinnert |
Die Beispiele dienen zur Orientierung. Die Eigenschaften eines Leders bestimmen nicht nur Gerbart und Schicht, sondern auch Stärke, Hautart, Färbung, Schleifen, Walken und Oberflächenbehandlung. Dieselbe Grundkombination kann deshalb in vielen Ausführungen und unter verschiedenen Handelsnamen vorkommen.
Woraus Leder entsteht
Rohhaut
Rohe Rinderhaut fällt als Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie an. Chemisch besteht die unbehandelte Rinderhaut aus Wasser (50–70 %), Eiweißen (in der Haut Kollagen, im Haar Keratin, 30–35 %), Fetten, Wachsen, Mineralstoffen sowie organischen und anorganischen Verunreinigungen. Haut ist ein organisches Material, das leicht zerfällt: Sie trocknet schnell aus, bricht und fault bei Feuchtigkeit. Deshalb wird sie durch Gerben zu Leder verarbeitet.
Nicht jedes Material aus Tierhaut ist Leder. Pergament zum Beispiel wird nicht gegerbt: Die enthaarte Haut wird gespannt, getrocknet und weiterbearbeitet, deshalb gilt es fachlich nicht als Leder.
Gegerbte Haut = Leder
Leder ist verarbeitete Rohhaut, deren physikalisch-chemische Eigenschaften sich durch das Gerben verändert haben. Gegerbtes Leder ist atmungsaktiv, geschmeidig, elastisch und formstabil, dazu zäh und beständig gegen Abnutzung sowie schwache Säuren und Laugen. Es bleibt dauerhaft elastisch, biegsam und fest. Es nimmt Körperfeuchtigkeit auf, kann sich aber zugleich gegen zu viel Nässe verschließen. Leder fühlt sich warm an und riecht typisch nach den verwendeten Gerbstoffen. Jedes Leder ist einzigartig.
Natürliche Merkmale und Fehler im Leder
Leder ist ein Naturmaterial, daher können auf seiner Oberfläche Spuren aus dem Leben des Tieres bleiben. Dazu gehören Narben, Kratzer, Falten, Insektenstiche, kleine Verletzungen oder Brandzeichen, mit denen Rinder markiert werden. Bei manchen Rinderhäuten finden sich auch Narben von Dasselfliegenbefall. Weitere Schäden können beim Abziehen der Haut, bei der Konservierung, beim Transport oder später in der Gerberei entstehen, zum Beispiel Schnitte, Löcher, Risse oder Spuren vom Aufspannen.
Solche Merkmale können die nutzbare Fläche verringern, sie belegen aber auch den natürlichen Ursprung des Leders und geben jedem Stück ein eigenes Aussehen. Ob sie als Fehler gelten oder als gewollter Teil des Charakters, hängt vom geplanten Produkt ab. Bei einer glatten Handtasche können sie stören, bei einer Umhängetasche, einem Rucksack oder einem Gürtel können sie ein reizvolles Gestaltungselement sein.
Bei naturbelassenen, Anilin- und nur wenig gedeckten Ledern bleiben diese Merkmale gut sichtbar. Pigmentiertes oder stark oberflächenbehandeltes Leder kann sie teilweise verdecken und das Aussehen vereinheitlichen.
Von welchem Tier das Leder stammt
Rindleder
Es stammt meist von Hausrindern. Nach Alter und Geschlecht des Tieres unterscheidet man Häute von Jungrindern, Färsen, Kühen, Bullen und Ochsen. Am kernigsten ist meist der Rückenbereich, während die Randbereiche eine lockerere Faserstruktur haben und sich stärker dehnen. Ein Vorteil ist die recht große Lederfläche.
Kalbleder
Es ist die Haut von Kälbern oder jungen Rindern. Kalbleder hat ein gleichmäßig dichtes Fasergefüge und einen feinen Narben. Die Häute sind kleiner und feiner als Rinderhäute. Kalbleder ist teurer, weil es fein ist und die Häute klein sind, und wird vor allem für feine Lederwaren und Schuhe verwendet.
Schweinsleder
Es hat ein ausgeprägtes Narbenbild. Der Croupon ist kernig, die Flanken sind locker.
Ziegen-, Schaf- und Lammleder
Ziegen-, Schaf- und Lammleder stammen von kleineren Tieren und haben deshalb meist eine kleinere Fläche als Rindleder. Ihre Eigenschaften unterscheiden sich aber deutlich. Ziegenleder kann bei geringer Stärke recht fest und widerstandsfähig sein, während feines Lamm- und Schafleder oft besonders weich und geschmeidig ist. Verwendet werden sie zum Beispiel für Handschuhe, Bekleidung, Schuhe, Polster und feine Lederwaren.
Reptilleder
Leder von Reptilien, zum Beispiel von Krokodilen, Schlangen oder Echsen, wird vor allem für Feinlederwaren, Schuhe und Accessoires verwendet.
Leder mit Fell
Bei manchen Häuten wird das Haar bei der Verarbeitung nicht entfernt und bleibt Teil des fertigen Materials. Solche Leder werden zum Beispiel für Teppiche, Dekoration, Bekleidung, Accessoires, Polster oder Pelzwaren verwendet. Aussehen, Dichte und Farbe des Fells hängen von der Tierart und der jeweiligen Haut ab.
Teile der Haut: Croupon, Hals und Flanken
Rindleder wird auch in Teilen verkauft, zum Beispiel als Croupon oder Hals. Die einzelnen Bereiche haben unterschiedliche Eigenschaften, deshalb beeinflusst die Wahl des Teils Festigkeit, Formstabilität und Preis des Leders.
Croupon
Der Croupon ist der Rücken- und Lendenteil der Haut. Er ist am festesten und stabilsten und eignet sich deshalb für feste, formstabile Arbeiten. Croupons auf Lager
Hals
Der Hals ist der Hals- und Schulterteil der Haut, nicht der Lendenteil (die Lende gehört zum Croupon). Er ist meist weicher und elastischer als der Croupon, das Stück ist kleiner. Hälse auf Lager
Flanken
Die Flanken (Bauchteile) sind die Randbereiche der Haut. Ihre Fasern sind lockerer als im Croupon, das Leder ist meist dünner und dehnt sich stärker. Sie eignen sich eher für kleinere Teile und Zubehör als für Riemen. Beim Rindleder sind die Flanken klein, einzeln bieten wir sie nicht an.
Englische Bezeichnungen der Teile
In internationalen Shops begegnen Ihnen diese Namen:
- double butt – Croupon,
- bend – halber Croupon,
- double shoulder – Hals,
- side – halbe Haut,
- belly – Flanke.
Lederschichten: Narbenleder und Spaltleder
Narbenleder
Narbenleder stammt aus dem oberen Teil der Haut und behält die natürliche Narbenschicht. Auf seiner Oberfläche können Poren, feine Falten, Narben und andere natürliche Merkmale der ursprünglichen Haut bleiben. Dank des erhaltenen Narbens ist es meist fester und widerstandsfähiger als Spaltleder.
Unter der Narbenschicht liegt die dickere Netzschicht (fachlich Corium). Ihre Fasern sind gröber und eng verflochten. Beim Spalten wird ein starkes Leder in zwei Teile getrennt: Der obere Teil mit dem Narben ist das Narbenleder, der untere Teil aus der Netzschicht das Spaltleder.
Im Handel heißt Narbenleder auch Glattleder oder Narbenspalt. Narbenleder auf Lager
Hat der Narben stärkere Fehler, kann die Gerberei ihn leicht anschleifen oder anders bearbeiten und versieht ihn dann oft mit einer Deckschicht oder einem Prägemuster. Ein solches Leder nennt man Leder mit korrigiertem Narben. Es ist weiterhin Narbenleder, kein Spaltleder, und auf Englisch heißt es Top Grain.
Spaltleder
Spaltleder entsteht, wenn die untere Schicht des Leders waagerecht abgetrennt wird. Es hat keinen natürlichen Narben, denn dieser bleibt am oberen Narbenteil. Seine Oberfläche ist deshalb faseriger und kann je nach Verwendung geschliffen bleiben, zum Beispiel als Velours, oder sie wird durch Färben, Spritzen, Beschichten oder Prägen weiterbearbeitet. So lässt sich die Oberfläche vereinheitlichen oder ein Muster erzeugen, das Narbenleder nachahmt.
Eine Oberflächenbehandlung macht aus Spaltleder aber kein Narbenleder. Spaltleder ist meist günstiger und hält dauerhaftes Biegen, Abrieb und starke mechanische Belastung in der Regel schlechter aus. Es wird daher vor allem für weniger beanspruchte, Hilfs- oder verdeckte Teile verwendet oder dort, wo ein niedriger Preis wichtiger ist als die längste Lebensdauer.
Bei gefärbtem Spaltleder entsteht das Aussehen durch eine deckende Farbschicht, die sich an Stellen, die oft gebogen werden oder reiben, mit der Zeit abreiben kann. Spaltleder auf Lager
Full Grain, Top Grain und Corrected Grain: Was ist der Unterschied?
Bei der Auswahl von Leder stoßen Sie oft auf die englischen Bezeichnungen Full Grain und Top Grain. Auf den ersten Blick wirken sie wie zwei klar getrennte Lederarten. Tatsächlich überschneidet sich ihre Bedeutung im Handel teilweise.
Zum besseren Verständnis hilft die Frage, ob das Leder seinen ursprünglichen Narben behalten hat oder ob die Oberfläche mechanisch durch Schleifen bearbeitet wurde.
Full Grain Leather – Leder mit erhaltenem ursprünglichem Narben
Full Grain ist Narbenleder, dessen natürlicher Narben nicht durch Schleifen korrigiert wurde. Es behält also seine ursprüngliche Oberflächenstruktur.
Auf einem solchen Leder können natürliche Unregelmäßigkeiten, kleine Narben oder Unterschiede im Narbenbild zu sehen sein. Das heißt aber nicht, dass jedes Full-Grain-Leder sichtbare Fehler haben muss.
Wichtig: Full Grain bedeutet nicht ungefärbtes, ungewachstes oder sonst unbehandeltes Leder. Es kann gefärbt, geölt, gewachst und mit weiteren Oberflächenbehandlungen versehen sein. Entscheidend ist, dass der ursprüngliche Narben erhalten bleibt.
Snuffed Grain Leather – Leder mit leicht angeschliffenem Narben
Bei diesem Material wird der ursprüngliche Narben leicht angeschliffen, um das Aussehen zu vereinheitlichen und kleine Oberflächenfehler weniger sichtbar zu machen.
Das Leder stammt weiterhin aus dem Narbenteil und ist kein Spaltleder. Das Schleifen greift in den ursprünglichen Narben ein, aber weniger stark als bei einer deutlichen Korrektur.
Corrected Grain Leather – Leder mit korrigiertem Narben
Bei Corrected Grain wird der ursprüngliche Narben stärker geschliffen. Ziel ist es, Oberflächenfehler zu entfernen oder weniger sichtbar zu machen und eine einheitlichere Grundlage für die weitere Zurichtung zu schaffen.
Ein solches Leder kann eine Pigmentzurichtung oder eine Prägestruktur erhalten, zum Beispiel die Nachahmung eines natürlichen Narbenbilds oder ein Krokodilmuster.
Achtung: Pigmentierung oder Prägung allein bedeuten noch nicht, dass es sich um Corrected Grain handelt. Entscheidend ist die vorherige mechanische Korrektur des ursprünglichen Narbens.
Top Grain Leather – warum ist diese Bezeichnung verwirrend?
Der Begriff Top Grain wird für Leder aus dem oberen Narbenteil der ursprünglichen Haut verwendet.
Im weiteren Sinn kann er sowohl Leder mit erhaltenem ursprünglichem Narben umfassen als auch Leder mit leicht angeschliffenem oder stärker korrigiertem Narben.
In manchen internationalen Onlineshops wird Top Grain jedoch in einem engeren Sinn verwendet: für Narbenleder mit bearbeiteter, oft geschliffener Oberfläche, um es von Full Grain abzugrenzen.
Deshalb sagt die Bezeichnung Top Grain allein nicht zuverlässig, ob der ursprüngliche Narben abgeschliffen wurde. Dafür müssen Sie die genaue Spezifikation des Materials kennen.
Split Leather – Spaltleder
Spaltleder entsteht, wenn beim Spalten der Haut oder des Leders auf eine bestimmte Stärke der untere Teil abgetrennt wird. Es hat keinen ursprünglichen Narben, ist aber trotzdem echtes Leder.
Seine Oberfläche kann geschliffen sein, ohne Deckschicht bleiben oder eine nachträglich erzeugte Oberfläche erhalten.
Spaltleder darf man daher nicht mit Narbenleder verwechseln, das nur an der Oberfläche angeschliffen wurde.
Bonded Leather – ist das überhaupt echtes Leder?
Bonded Leather ist ein Verbundmaterial aus zerkleinerten Lederfasern oder Lederresten, die mit Bindemitteln, zum Beispiel Polymeren, verbunden werden.
Das Material wird zu einer flächigen Bahn geformt. Bei manchen Produkten wird es auf einen Träger aufgebracht, oft aus Textil, der es verstärkt. Die Oberfläche kann anschließend eine Deckschicht oder eine Prägung erhalten, die den natürlichen Narben von Leder nachahmt.
Anders als Narbenleder oder Spaltleder ist es kein zusammenhängendes Stück Leder, sondern ein Material aus nachträglich verbundenen Lederfasern.
Die Bezeichnung Bonded Leather finden Sie bei verschiedenen Produkten, zum Beispiel bei Handtaschen, Geldbörsen, Gürteln, Etuis, Möbelbezügen oder Büroaccessoires. Auf den ersten Blick ist dabei nicht immer zu erkennen, dass es sich nicht um zusammenhängendes Leder handelt. Der Name verrät auch nicht, wie hoch der Anteil an Lederfasern ist und wie viel Bindemittel verwendet wurde – das müssen Sie beim jeweiligen Produkt prüfen.
Was sollten Sie sich merken?
- Full Grain – der ursprüngliche Narben ist erhalten und wurde nicht durch Schleifen korrigiert.
- Snuffed Grain – der ursprüngliche Narben ist leicht angeschliffen.
- Corrected Grain – der ursprüngliche Narben ist stärker mechanisch korrigiert.
- Top Grain – uneinheitlich verwendete Bezeichnung für Narbenleder. Im weiteren Sinn kann sie Full Grain ebenso umfassen wie Leder mit geschliffenem oder korrigiertem Narben.
- Split Leather – Spaltleder, also echtes Leder ohne ursprünglichen Narben.
- Bonded Leather – Verbundmaterial aus zerkleinerten Lederfasern oder Lederresten, die mit Bindemittel verbunden sind. Kein zusammenhängendes Leder.
Die Gerbart ist dabei eine eigene Eigenschaft. Sowohl Narbenleder mit erhaltenem Narben als auch Leder mit korrigiertem Narben können zum Beispiel pflanzlich oder mit Chrom gegerbt sein.
Wie Leder gegerbt wird
Chromgegerbtes Leder
Die Chromgerbung ist das jüngste und heute am häufigsten verwendete Gerbverfahren. Dabei werden Chromverbindungen eingesetzt, durch die das Leder meist weich, geschmeidig, fest und langlebig wird und sich gut färben lässt. Im Vergleich zu üblichem pflanzlich gegerbtem Leder verträgt es Feuchtigkeit in der Regel besser. Chromgegerbtes Leder (kurz Chromleder) wird deshalb oft für Schuhe, Bekleidung, Polster, technische Produkte und manche Riemenarten verwendet.
Pflanzlich gegerbtes Leder
Pflanzlich gegerbtes Leder wird mit pflanzlichen Gerbstoffen gegerbt, die zum Beispiel aus Rinde, Holz, Blättern oder Früchten bestimmter Pflanzen gewonnen werden. Die pflanzliche Gerbung gehört zu den traditionellen Verfahren der Lederherstellung. Das Leder ist meist fest und formstabil und eignet sich gut zum Färben, Punzieren und Formen.
Pflanzlich gegerbtes Leder kann Narbenleder oder Spaltleder sein. Die Gerbart sagt nämlich nichts darüber aus, aus welcher Schicht der Haut das Leder stammt.
Alle Rindleder in unserem Angebot sind pflanzlich gegerbt.
Sämischleder
Gerbung mit Fett. So gegerbtes Leder heißt „Sämischleder“ (Waschleder). Heute werden auf diese Weise Häute von Rehen, Hirschen, Damhirschen, Mufflons oder auch Antilopen und Gazellen gegerbt. Sie haben eine angenehme gelbbraune Farbe und werden für Schuhfutter, Handschuhe, zum Putzen von Fenstern, Autos und optischen Geräten, für orthopädische Hilfsmittel und Prothesen, technische Filter und Membranen sowie für Hobbyzwecke (Indianer- und Westernkleidung) verwendet. Mit Fett lässt sich fast jede Hautart gerben.
Mit Syntanen gegerbtes Leder
Syntane sind synthetische Gerbstoffe, die allein oder in Kombination mit anderen Gerbstoffen eingesetzt werden. Mit ihnen lassen sich Farbe, Weichheit, Fülle und weitere Eigenschaften des Leders beeinflussen. Sie werden oft bei der Kombinationsgerbung oder Nachgerbung verwendet, und das Leder kann ähnliche Eigenschaften haben wie pflanzlich gegerbtes Leder.
Gerbung mit Aluminiumsalzen (Weißgerberei)
Die Rohhaut wird mit Aluminiumsalzen gegerbt, zum Beispiel mit Alaun. So werden feine Leder (Ziegen-, Schaf- und Kalbleder) weiß gegerbt. Traditionell weißgegerbtes Leder ist ohne weitere Behandlung nur wenig wasserbeständig.
Mechanische Bearbeitung: gewalktes und ungewalktes Leder
Gewalktes Leder
Beim Walken wird das Leder in einem rotierenden Fass mechanisch weich gemacht. Es wird weicher und geschmeidiger, und seine natürliche Struktur kann an der Oberfläche stärker hervortreten.
Ungewalktes Leder
Ungewalktes Leder hat diesen Vorgang (das Walken) nicht durchlaufen. Es bleibt meist steifer, hat eine glattere Oberfläche und ist formstabiler.
Die Narbenleder in unserem Angebot sind ungewalkt und bleiben daher steifer und formstabiler. Rindleder auf Lager
Färbung und Deckung der Oberfläche
Anilinleder
Es wird mit transparenten Farbstoffen ohne deckende Pigmentschicht gefärbt. Natürlicher Narben, Poren und kleine Merkmale bleiben sichtbar. Es wirkt und fühlt sich sehr natürlich an, ist aber empfindlicher gegen Flecken, Feuchtigkeit, Licht und Kratzer.
Semianilinleder
Es hat eine leichte Pigment- oder Schutzschicht, die das Aussehen teilweise vereinheitlicht und die Beständigkeit erhöht. Die natürliche Narbenstruktur ist aber weiterhin recht gut zu erkennen.
Pigmentiertes Leder
Es hat eine deckende Farbschicht, die den Farbton vereinheitlicht, einen Teil der natürlichen Merkmale verdeckt und die Beständigkeit gegen Flecken, Feuchtigkeit, Abrieb und häufiges Reinigen erhöht. Pigmentiert kann sowohl Narbenleder als auch Spaltleder sein.
Naturbelassenes, ungefärbtes Leder
Neben Leder, das schon in der Gerberei gefärbt und zugerichtet wurde, gibt es auch naturbelassenes Leder für die weitere handwerkliche Verarbeitung. Es lässt sich je nach gewünschtem Aussehen und Einsatz selbst färben, ölen, wachsen, lackieren oder anders behandeln.
Naturbelassenes Leder färben Sie selbst. Wie die einzelnen Beizen, Patinas und Acrylfarben auf echten Lederproben aussehen, zeigt die Lederfarben-Musterkarte. Wie Sie Farbe und Oberfläche abschließend behandeln, lesen Sie im Artikel Leder versiegeln, ölen oder wachsen.
Die gefärbten Narbenleder in unserem Angebot sind durchgefärbt, die Farbe ist also auch an der Schnittkante sichtbar und bleibt erhalten, wenn der Narben abgerieben wird. Ab Werk ist sie aber nicht fixiert, deshalb behandeln Sie das fertige Stück mit einem Finish.
Oberflächenbehandlung und Aussehen von Leder
Glatte Leder
Glattleder
Es hat eine geschlossene Oberfläche ohne Flor. Natürliches Narbenbild, Poren, Falten und andere Merkmale der ursprünglichen Haut können erhalten bleiben.
Lackleder
Es hat eine glatte, stark glänzende Deckschicht. Sie verdeckt die natürliche Lederoberfläche und erzeugt den typischen Lacklook.
Geprägtes Leder
In die Oberfläche ist unter Druck ein Muster oder eine Struktur eingeprägt. Das kann ein regelmäßiges Narbenbild sein oder ein Muster, das zum Beispiel Krokodil-, Schlangen- oder Echsenleder nachahmt. Ein bekanntes Beispiel ist Saffiano mit feinem Kreuzmuster.
Pull-up-Leder
Es ist mit größeren Mengen an Wachsen und Ölen getränkt. Beim Biegen, Dehnen oder Kratzen verschieben sich die Fette im Material und die Oberfläche wird an dieser Stelle heller. So entstehen der typische Vintage-Look und eine ausgeprägte Patina. Verwendet wird es zum Beispiel für Umhängetaschen, Rucksäcke, Geldbörsen, Schuhe und andere Lederwaren.
Geschliffene Leder mit samtiger Oberfläche
Nubuk
Nubuk entsteht durch feines Schleifen der Narbenseite. Es hat einen sehr kurzen, feinen Flor, wobei der natürliche Narben Teil des Materials bleibt.
Velours
Velours entsteht durch Schleifen der Fleischseite von Narbenleder oder der Oberfläche von Spaltleder. Sein Flor ist meist länger und ausgeprägter als bei Nubuk.
Weiche und geschmeidige Leder
Nappa
Nappa ist ein sehr weiches, feines und geschmeidiges Narbenleder mit glatter Oberfläche und angenehmem Griff. Es wird aus verschiedenen Hautarten hergestellt, oft aus Lamm-, Schaf-, Ziegen- oder Kalbleder, aber auch aus Rindleder. Verwendet wird es vor allem für Handschuhe, Bekleidung, Handtaschen, Schuhe, Polster und Autoinnenräume.
Die Bezeichnung Nappa beschreibt weder eine genaue Gerbart noch eine bestimmte Tierart. Sie steht vor allem für die Feinheit, Weichheit und Geschmeidigkeit des Leders.
Traditionelle und bekannte Handelsnamen
Manche Ledernamen beschreiben nicht nur eine Eigenschaft, zum Beispiel die Gerbart oder die Oberflächenbehandlung. Sie verbinden die Herkunft des Rohstoffs, einen bestimmten Teil der Haut, die Verarbeitung, die Oberflächenbehandlung und die traditionelle Verwendung. Zu den bekannten Bezeichnungen gehören zum Beispiel Shell Cordovan, Bridle Leather, Crazy Horse und Saffiano.
Shell Cordovan
Shell Cordovan ist ein außergewöhnlich dichtes, glattes und widerstandsfähiges Material aus einer sehr dichten Faserschicht, die unter der Oberfläche im Bereich der Pferdekruppe liegt. Es ist weder gewöhnliches Narbenleder noch Spaltleder. Diese Schicht wird bei der Verarbeitung nach und nach freigelegt, gründlich gegerbt, gefettet, ausgedünnt und poliert.
Die Oberfläche von Shell Cordovan hat einen typischen tiefen Glanz und bildet beim Biegen meist keine vielen kleinen Falten, sondern eher breitere Wellen. Verwendet wird es vor allem für Schuhe, Geldbörsen, Uhrarmbänder und kleine Lederwaren.
Die historische Bezeichnung Corduan muss nicht immer dasselbe bedeuten wie das heutige Shell Cordovan. In älterer Literatur wurden so auch andere fein verarbeitete Leder bezeichnet, die mit dem spanischen Córdoba in Verbindung gebracht wurden.
Bridle Leather
Bridle Leather ist ein festes, dichtes und wenig dehnbares pflanzlich gegerbtes Rindleder, das ursprünglich für Zäume, Geschirre und andere Reitausrüstung gedacht war. Bei der Zurichtung wird es gründlich mit Ölen, Fetten und Wachsen gepflegt, die seine Elastizität, Beständigkeit und Lebensdauer erhöhen.
Auf der Oberfläche kann ein heller Wachsbelag erscheinen, der sich auspolieren lässt. Bridle Leather wird heute auch für Gürtel, Umhängetaschen, Handtaschen, Riemen und andere feste Lederwaren verwendet.
Crazy Horse
Crazy Horse ist ein bekannter Handelsname für dichtes Pull-up-Narbenleder mit ausgeprägtem geöltem oder gewachstem Finish, das an Biegestellen heller wird und mit der Zeit eine typische Patina bekommt.
Verwendet wird es vor allem für Umhängetaschen, Rucksäcke, Geldbörsen, Schuhe, Gürtel und andere Lederwaren. Der Name Crazy Horse steht nicht für ein genau festgelegtes Herstellungsverfahren; wichtig sind vor allem der typische Pull-up-Effekt und die deutliche Alterung der Oberfläche.
Saffiano
Saffiano ist eine bekannte Bezeichnung für Leder mit typischem feinem Kreuzmuster, das unter Hitze und Druck eingeprägt wird. Die Oberfläche hat meist eine widerstandsfähige Schutzschicht, durch die das Leder gut in Form bleibt und Kratzern, Schmutz und Feuchtigkeit besser standhält.
Bekannt gemacht hat das Material vor allem die Marke Prada, die Saffiano für Handtaschen, Geldbörsen und andere Lederwaren verwendet. Heute werden mit Saffiano aber oft auch andere Leder oder synthetische Materialien mit ähnlichem Kreuzmuster bezeichnet, die weder dem ursprünglichen Material noch der ursprünglichen Verarbeitung entsprechen müssen.
Die einzelnen Typen stellen viele Gerbereien weltweit her, und ihre Rezepturen, Eigenschaften und Handelsnamen können sich unterscheiden.
Stärke und Qualität des Leders
Stärke
Die Stärke bestimmt, wie fest und steif ein Leder ist und wie leicht es sich verarbeiten lässt. Stärkeres Leder hält die Form besser und verträgt mehr Belastung, es eignet sich für Halsbänder, Geschirre oder Etuis. Dünnes Leder lässt sich leicht biegen, nähen und formen und eignet sich für Geldbörsen, Hüllen oder Innenfutter.
Wir geben die Stärke in Millimetern an: dünn (0,8–1,5 mm), mittel (1,6–2,5 mm), stark (2,6–4,0 mm) und extra stark (ab 4,1 mm). Internationale Anleitungen und Shops geben sie oft in Unzen (oz) an. Die Umrechnung und Empfehlungen je nach Produkt finden Sie im Umrechner für Lederstärken.
Zur Orientierung nach Produkt: Geldbörse 2–4 oz, kleines Halsband 5–6 oz, Leine 6–8 oz, großes Halsband und Gürtel 7–9 oz, Messerscheide und feste Tasche 8–10 oz, Sattel und Geschirr 10–12 oz.
Qualität
Die Qualität eines Leders gibt an, welcher Anteil der Fläche frei von sichtbaren Fehlern wie Narben, Kratzern oder Flecken ist (natürliche Merkmale des Leders). Standardqualität bedeutet 70–89 % fehlerfreie Fläche, die höhere Qualitätsstufe 90–100 %.
Höhere Qualität bedeutet weniger Verschnitt, schnellere Arbeit und einen höheren Preis und lohnt sich, wenn Sie große, saubere Teile brauchen. Niedrigere Qualität ist günstiger und sinnvoll bei kleineren Produkten, bei denen Sie Fehler leicht umgehen.
Welche Leder in welchen Bereichen verwendet werden
Die Bezeichnungen in diesem Abschnitt beschreiben weder eine genaue Gerbart noch eine bestimmte Oberflächenbehandlung. Sie sagen vor allem, für welche Produkte das Leder die passenden Eigenschaften haben muss. In einer Branche können deshalb verschiedene Lederarten zum Einsatz kommen, je nachdem, welchen Teil des Produkts sie bilden und welcher Belastung sie ausgesetzt sind.
Schuhleder
In der Schuhherstellung werden mehrere Lederarten verwendet. Jeder Teil des Schuhs verlangt andere Materialeigenschaften.
- Oberleder muss geschmeidig, fest, elastisch und formstabil sein. Verwendet werden zum Beispiel chromgegerbtes Narbenleder, Nubuk, Velours oder weicheres pflanzlich gegerbtes Leder.
- Futterleder soll dünn, weich, atmungsaktiv, farbecht und angenehm auf der Haut sein.
- Bodenleder (Sohlleder) ist meist stark, steif und abriebfest. Traditionell wird festes pflanzlich gegerbtes Leder verwendet.
- Brandsohlenleder muss atmungsaktiv, saugfähig, formstabil und bei Dauerbelastung widerstandsfähig sein.
- Rahmenleder ist sehr fest, wenig dehnbar und wird bei der traditionellen rahmengenähten Machart verwendet.
Leder für Sattlerei, Täschnerei und Lederwaren
Für Sattlerarbeiten, Umhängetaschen, Handtaschen, Gürtel, Etuis und andere Lederwaren wird vor allem Leder verwendet, das der gewünschten Festigkeit, dem Aussehen und der Verarbeitung entspricht.
Für feste, formstabile Produkte wird oft stärkeres pflanzlich gegerbtes Narbenleder verwendet. Für weichere Handtaschen, Rucksäcke oder Umhängetaschen eignen sich chromgegerbte, kombiniert gegerbte, gewalkte, Pull-up- oder anders oberflächenbehandelte Leder. Saffiano und andere geprägte Leder kommen dort zum Einsatz, wo ein einheitliches Aussehen und eine widerstandsfähigere Oberfläche gefragt sind.
Spaltleder wird vor allem für günstigere Produkte oder für weniger beanspruchte, Hilfs- und verdeckte Teile verwendet.
Bekleidungs- und Handschuhleder
Bekleidungsleder muss dünn, weich, leicht, geschmeidig und angemessen dehnbar sein. Oft wird feines chromgegerbtes Leder verwendet, zum Beispiel Nappa aus Lamm-, Schaf-, Ziegen-, Kalb- oder weichem Rindleder.
Handschuhleder muss besonders fein, elastisch, fest und angenehm auf der Haut sein. Für feine Ausgehhandschuhe werden vor allem Lamm-, Ziegen-, Schafleder oder andere feine Leder verwendet. Stärkeres Rinds- oder Schweinsleder kann zum Beispiel für Arbeits- und Schutzhandschuhe dienen.
Polsterleder für Möbel und Autos
Polsterleder muss weich, geschmeidig, ausreichend groß und beständig gegen Abrieb, Licht, Verschmutzung und wiederholte Belastung sein.
Für Sitzmöbel werden zum Beispiel Anilin-, Semianilin- und pigmentierte Narbenleder verwendet. Die einzelnen Typen unterscheiden sich darin, wie natürlich sie aussehen, wie widerstandsfähig sie sind und wie viel Pflege sie brauchen.
Auto- und Motorradleder muss zusätzlich starke Temperaturschwankungen, Sonneneinstrahlung, häufigen Kontakt und regelmäßiges Reinigen gut vertragen. Deshalb ist es oft chromgegerbt und hat eine widerstandsfähige Pigment- und Schutzzurichtung. Verwendet wird es für Sitze, Türverkleidungen, Lenkräder, Armaturenbretter und andere Innenraumteile.
Alcantara ist kein Leder
Alcantara ist kein Leder. Es ist ein synthetisches Mikrofasermaterial mit feiner, wildlederartiger Oberfläche, die an Velours oder Nubuk erinnert.
Es wird aus Polyester und Polyurethan hergestellt und vor allem in Autoinnenräumen verwendet, aber auch in Mode, Möbelbau, Elektronik und anderen Bereichen. Es ist widerstandsfähig, atmungsaktiv, abwaschbar und rutschhemmend, deshalb findet man es oft an Lenkrädern, Sitzen, Armaturenbrettern oder Türverkleidungen.
Technische Leder
Technische Leder sind für Produkte bestimmt, bei denen bestimmte mechanische und funktionale Eigenschaften entscheidend sind. Verwendet werden sie zum Beispiel für Antriebs- und Treibriemen, Dichtungen, Schutzelemente, Polierscheiben oder manche Maschinenteile.
Je nach Einsatz müssen sie besonders fest und beständig gegen Zug, Abrieb, Hitze oder Öle und andere Stoffe sein. Sie können pflanzlich gegerbt, chromgegerbt oder speziell behandelt sein.
Haben Sie Ihr Leder ausgewählt? Rindleder auf Lager finden Sie in der Kategorie Rindleder. Wenn Sie es mit einem anderen Material verkleben möchten, sehen Sie nach, welcher Kleber zu welchem Material passt.