Locheisen oder Lochzange? Lochwerkzeuge für Leder und wasserfestes Gurtband im Vergleich

Lochwerkzeuge gibt es in großer Auswahl – von der einfachen Lochzange über einzelne Locheisen bis zu Werkzeugen, die sich in einer Presse verwenden lassen. Auf den ersten Blick scheinen alle dasselbe zu tun: ein Loch zu stanzen. In der Praxis unterscheiden sie sich aber in der Anwendung, in Form und Größe des Lochs und vor allem darin, für welches Material sie bestimmt sind.

Nicht jedes Locheisen passt zu jedem Material

Bei der Wahl des Lochwerkzeugs beginnen Sie beim Material. Was bei Leder problemlos funktioniert, muss bei wasserfestem Gurtband nicht funktionieren – und genau hier entsteht einer der häufigsten Fehler.

Locheisen für Leder empfehlen wir für wasserfestes Gurtband überhaupt nicht. Im Inneren dieser Gurtbänder steckt eine textile Verstärkung, deren Fasern so fest sind, dass sie das Locheisen sehr schnell beschädigen können. Manchmal genügt ein einziges Loch und das Locheisen bricht oder aus seiner Schneide bricht ein Stück heraus. Dass sich ein Loch damit stanzen lässt, heißt also keineswegs, dass es für dieses Material geeignet ist.

Bei gewöhnlichem textilem Gurtband werden Löcher oft mit Hitze gemacht – zum Beispiel mit einem heißen Lötkolben, der das Material zugleich verschmilzt. Bei wasserfestem Gurtband lässt sich dieses Verfahren aber nicht anwenden, deshalb brauchen Sie eine geeignete Lochpfeife.

Lochwerkzeuge lassen sich für unsere Zwecke deshalb in zwei Hauptgruppen einteilen:

Wasserfestes Gurtband lochen

Für wasserfestes Gurtband verwenden wir spezielle Lochpfeifen, die genau für dieses Material bestimmt sind. Je nach gewünschtem Loch gibt es verschiedene Durchmesser – kleinere zum Beispiel für Nieten, Druckknöpfe oder normale Löcher in Halsbändern und Gurtbändern, größere etwa für Ösen.

Die Lochpfeifen lassen sich je nach Arbeitsweise von Hand mit dem passenden Stahlgriff verwenden (gilt nur für Lochpfeifen in den Größen 3 und 4 mm) oder in ein Werkzeug in der Presse einspannen.

Welche Lochpfeife wählen?

Bei wasserfestem Gurtband wählen wir die Lochpfeife vor allem nach dem gewünschten Lochdurchmesser. Im Angebot haben wir vier einzelne Größen, deshalb wählen Sie das konkrete Maß danach, wofür das Loch gedacht ist – zum Beispiel für eine Niete, einen Druckknopf, ein Loch im Halsband oder eine Öse.

Lochpfeife für Nieten im Einsatz
Lochpfeife für Ösen im Einsatz

Welches Locheisen für Nieten?

Der empfohlene Durchmesser der Lochpfeife richtet sich nach dem Schaftdurchmesser der jeweiligen Niete.

Nietentyp:Empfohlene Lochpfeife:
20 Z, 66 Z, 63 Z, 70 Z 8mm, 70 Z, 70 Z 13mmLochpfeife ø 3 mm
79 Z, 72 Z, 75 Z, 79 Z 15mmLochpfeife ø 4 mm

Welches Locheisen für Ösen?

Der empfohlene Durchmesser der Lochpfeife richtet sich nach dem Lochdurchmesser der Öse.

Ösengröße:Empfohlene Lochpfeife:
ø 5,2 mm Lochpfeife ø 5,2 mm
ø 6,0 mm Lochpfeife ø 6 mm

Keine Lochzange für wasserfestes Gurtband

Die Lochzange ist vor allem deshalb verlockend, weil sie mehrere Lochdurchmesser in einem Werkzeug bietet. Für wasserfestes Gurtband ist sie aber nicht bestimmt. Ihre Lochpfeifen sind für Leder konstruiert, und die feste textile Verstärkung im Inneren des wasserfesten Gurtbands kann sie beschädigen oder brechen lassen. Für wasserfestes Gurtband verwenden Sie deshalb immer eine Lochpfeife, die direkt für dieses Material bestimmt ist.

Leder lochen

Bei Leder ist die Auswahl an Lochwerkzeugen deutlich größer. Wir können Lochzangen, einzelne Locheisen, ganze Sätze und Werkzeuge für besondere Lochformen verwenden. Sie unterscheiden sich in der Anwendung, in den verfügbaren Größen und im Arbeitskomfort.

Lochzangen

Die Lochzange gehört zu den einfachsten Werkzeugen zum Lochen von Leder. Ihr größter Vorteil: Sie haben mehrere Lochdurchmesser in einem Werkzeug und wechseln zwischen den Größen, indem Sie einfach den Revolverkopf der Zange drehen.

Sie eignet sich vor allem dort, wo Sie wenige Löcher brauchen und nicht für jeden Durchmesser zu einem einzelnen Locheisen greifen möchten. Die einzelnen Zangentypen unterscheiden sich aber in der Konstruktion, im Arbeitskomfort und in der Kraft, die Sie beim Lochen aufwenden müssen.

Welche Lochzange wählen?

Die Revolverlochzange Economy ist die Grundausführung und die günstigste Variante. Sie bietet sechs Durchmesser von 1,9 bis 4,7 mm und eignet sich vor allem für dünneres Leder und gelegentlichen Gebrauch. Ihre Lochpfeifen sind nicht austauschbar.

Die Revolverlochzange Profi hat ebenfalls sechs Durchmesser von 1,9 bis 4,7 mm, ist aber stabiler gebaut und kommt auch mit stärkerem Leder zurecht. Die Lochpfeifen sind austauschbar, sodass Sie bei Verschleiß nicht die ganze Zange ersetzen müssen.

Die Revolverlochzange Sprenger arbeitet mit Durchmessern von 2 bis 4,5 mm und nutzt im Unterschied zu klassischen Zangen einen Hebelmechanismus. Dadurch brauchen Sie beim Lochen weniger Kraft, was Sie vor allem bei stärkerem Leder und größeren Durchmessern merken. Auch hier lassen sich die einzelnen Lochpfeifen austauschen.

Bei allen Zangen müssen Sie mit einer begrenzten Reichweite vom Materialrand rechnen. Wenn Sie ein Loch weiter innen in der Lederfläche brauchen, sind einzelne Locheisen praktischer.

Einzelne Locheisen und Locheisen-Sätze

Einzelne Locheisen verwenden Sie bei der Handarbeit mit einem Schlägel und einem Schneidebrett. Anders als Zangen sind sie nicht durch die Reichweite der Backen begrenzt, sodass Sie damit praktisch überall in der Materialfläche ein Loch stanzen können.

Wenn Sie mehrere Durchmesser verwenden, kann ein ganzer Satz praktischer sein. Ein einzelnes Locheisen ist dagegen sinnvoll, wenn Sie oft ein bestimmtes Maß verwenden.

Locheisen-Sätze

Für kleinere Löcher ist der Mini-Satz mit Durchmessern von 1,9 bis 4,5 mm bestimmt, während der Maxi-Satz mit 4,5–7,9 mm die größeren Durchmesser abdeckt. Einen noch größeren Bereich bietet der Satz mit 2,5–10 mm. Bei diesen Lösungen arbeiten Sie mit einem Griff und wechseln je nach Bedarf die einzelnen Lochpfeifen, sodass der Satz wenig Platz braucht.

Eine eigene Gruppe sind die Locheisen-Sätze von Kemovan. Erhältlich sind zum Beispiel die Bereiche 1–5 mm und 1–10 mm, bei denen jeder Durchmesser ein eigenes Locheisen hat, das in einem Ständer steckt. Die Variante 1–6 mm arbeitet dagegen mit einem Griff und austauschbaren Lochpfeifen.

Die Wahl hängt also nicht nur von den gewünschten Durchmessern ab, sondern auch davon, ob Ihnen ein Griff mit austauschbaren Lochpfeifen lieber ist oder ein eigenes Locheisen für jedes Maß.

Einzelne runde Locheisen

Einzelne runde Locheisen sind vor allem dann sinnvoll, wenn Sie oft einen bestimmten Durchmesser verwenden. Sie müssen nichts wechseln oder umstecken – Sie nehmen das richtige Locheisen und können sofort arbeiten.

Ein Vorteil ist auch die große Auswahl an Größen. Bei gewöhnlichen runden Locheisen finden Sie kleine Durchmesser schon ab 0,5 mm, aber auch deutlich größere Löcher bis etwa 13 mm.

Eine Stufe höher stehen die runden Locheisen von Kemovan, die sich vor allem für häufigere Arbeit eignen. Sie sind innen poliert, sodass die Stanzabfälle seltener hängen bleiben, und insgesamt stabiler gebaut. Erhältlich sind sie in Durchmessern von 1 bis 10 mm.

Ovale und spezielle Locheisen

Nicht alle Löcher müssen rund sein. Bei manchen Verschlussarten oder Lederarbeiten brauchen Sie eine andere Lochform oder mehrere Löcher auf einmal.

Ovale Locheisen verwenden Sie für Löcher, in die später der Dorn der Schnalle greift. Im Vergleich zum runden Loch gibt die ovale Form dem Dorn mehr Platz und die Schnalle sitzt im geschlossenen Zustand besser. Es geht also nicht um ein Werkzeug für das Loch, in dem die Schnalle befestigt wird, sondern um ein Locheisen für die Löcher, mit denen sie im Alltag geschlossen wird.

Der Knopflochstanzer für Sattlerknöpfe stanzt das Loch direkt in der Form, die zu dieser Verschlussart passt. Sie müssen das Loch also nicht nachschneiden oder anders anpassen.

Ein besonderes Werkzeug ist auch der 4-in-1-Locher, der mit einem Schlag vier gleichmäßig verteilte Löcher für das Nähen mit Lederriemchen stanzt. Er ist für dünneres Leder bestimmt und hilft, mehrere Löcher auf einmal vorzubereiten, sodass die Arbeit schneller geht und der Abstand gleichmäßig bleibt.

Lochen von Hand oder mit der Presse?

Lochen mit dem Schlägel und Lochen in der Presse sind keine Methoden, die einem bestimmten Material vorbehalten sind. Viele Lochpfeifen lassen sich je nach Konstruktion auf beide Arten verwenden. Das gilt für Lochpfeifen für wasserfestes Gurtband ebenso wie für manche austauschbaren Lochpfeifen für Leder.

Lochen von Hand

Für wenige Löcher ist das Lochen von Hand sehr praktisch und oft auch am schnellsten. Sie setzen die Lochpfeife an der gewünschten Stelle an und schlagen mit dem Schlägel darauf.

Beim Lochen von Hand ist ein Schneidebrett aber unbedingt nötig. Es geht nicht nur um den Schutz der Werkbank. Das Brett schützt vor allem die Schneide des Locheisens vor dem Aufprall auf eine harte Fläche und hilft, dass die Schneide möglichst lange unbeschädigt bleibt.

Für austauschbare Lochpfeifen brauchen Sie den passenden Griff. Lochpfeifen für wasserfestes Gurtband lassen sich bei der Handarbeit zum Beispiel in den Stahlgriff stecken und ganz klassisch mit Schlägel und Schneidebrett verwenden.

Eine praktische Hilfe ist auch Wachs. Vor dem Lochen genügt es, das Locheisen leicht in das Wachs zu drücken. Das schont die Schneide, und nach dem Stanzen lässt sich das Locheisen leichter aus dem Leder ziehen.

Lochen mit der Presse

Wenn Sie viele Löcher stanzen, wird eine Handpresse sinnvoller. Das wiederholte Schlagen mit dem Schlägel entfällt, die Arbeit ist leiser und bei größeren Serien deutlich weniger anstrengend.

Die Lochpfeife wird in das passende Werkzeug eingespannt, und ihr gegenüber sitzt in der Presse ein Amboss, der je nach Ausführung zum Beispiel aus Kupfer oder Messing sein kann. Er übernimmt hier die Aufgabe der Unterlage, die beim Lochen von Hand das Schneidebrett erfüllt.

Die Presse ist vor allem für die Serienfertigung praktisch, wenn Sie viele gleiche oder sich wiederholende Löcher stanzen. Für ein paar Löcher oder eine kleinere Serie kann die klassische Lochpfeife mit Schlägel aber weiterhin die schnellere und praktischere Lösung sein.

Locheisen oder Lochzange: Welches Werkzeug passt?

Am wichtigsten ist es, immer beim Material zu beginnen. Wasserfestes Gurtband braucht eine Lochpfeife, die genau für dieses Material bestimmt ist. Bei Leder ist die Auswahl viel größer und hängt vor allem davon ab, welche Durchmesser und Lochformen Sie brauchen und wie oft Sie lochen.

Für ein paar Löcher und verschiedene Durchmesser kann eine Lochzange praktisch sein. Wenn Sie regelmäßig mehrere Größen verwenden, lohnt sich ein Locheisen-Satz. Für einen oft genutzten Durchmesser ist ein einzelnes Locheisen bequem, und bei größeren Serien kann eine Presse die Arbeit deutlich erleichtern.

Das richtig gewählte Werkzeug erleichtert Ihnen die Arbeit, hilft Ihnen, ein sauberes Loch zu stanzen, und senkt zugleich das Risiko, das Locheisen durch falschen Einsatz zu beschädigen.

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